Bekleidungskonsum

Gründe für eine Veränderung unseres Konsums

1. Umwelt- und Klimaschutz:

  • Die Textilproduktion verursachte 2016 ca. 1,2 Milliarden Tonnen CO2 (Quelle: Ellen Mac Arthur Foundation „A new textiles economy“ 2017). Das entspricht ungefähr den jährlichen Emissionen Brasiliens im Jahr 2019, die damit siebtgrösster Emittent der Welt waren (Quelle: Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle IRC über die fossilen C02- und Treibhausgasemissionen aller Länder der Welt).
  • Für die Herstellung einer Jeans braucht man ca. 10.000 Liter Wasser, weltweit werden ca. 1,8 Millionen Jeans verkauft, das bedeutet, es werden dafür pro Sekunde 600.000 Liter Wasser verbraucht. Gut 60 % der Felder müssen bewässert werden. Da Wasserspeicher nicht vorhanden sind, erfolgt die Bewässerung mit Wasser aus Flüssen, Seen und dem Grundwasser (der Aralsee, einst der größte See der Welt, ist quasi ausgetrocknet worden für den Anbau von Baumwolle). Der Grundwasserspiegel sinkt, das Trinkwasser wird rar und konventionelle Bewässerungsmethoden führen zu einer Versalzung der Böden.
  • Durch die beim Baumwollanbau benutzen Pestizide sterben Insekten, die Böden und das Grundwasser wird verseucht
  • Bei der Verarbeitung der Baumwolle fallen bis zu 1 kg Chemikalien pro 1 kg Stoff an
  • Die Chemikalien werden oft ungefiltert in Gewässer abgeleitet
  • Chemiefasern werden aus Erdöl hergestellt und sind deshalb keine umweltfreundliche Alternative

2. Fairness

  • ca. 168 Mio. Kinder (90 Mio. allein in der Baumwollindustrie nach Schätzungen von UNICEF) arbeiten weltweit in der Textilindustrie, viele von ihnen können deshalb nicht in die Schule gehen
  • ca. 260.000 Mädchen weltweit arbeiten als Sklaven in der Textilindustrie (Quelle: http://www.sklaverei-in-mode.de)
  • in der Textilbranche sind schlechte Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung, bis zu 14 Stunden täglich zu geringen Löhnen, ohne Arbeitschutz
  • Durch den Einsatz von Pestiziden beim Baumwollanbau sterben jährlich ca. 20.000 Menschen (Quelle: Umweltinstitut)
  • durch die Pestizide und den Einsatz von Chemikalien leiden viele Menschen in der Textilproduktion an Atemwegserkrankungen, Infektionserkrankungen, Krebs und Missbildungen
  • wirtschaftliche Abhängigkeit der Kleinbauern wegen der Kosten für Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch verändertes Saatgut. Durch Resistenzen der Schädlinge gegen Pestizide werden immer neue Pestizide erforderlich. Die Übernutzung der Böden führt zu Ernteeinbußen

3. Tierschutz

  • Pelze stammen häufig von Tieren aus China, wo sie unter grausamen Bedingungen gehalten und ohne Betäubung getötet werden
  • für 450 g Seide sterben ca. 3.000 Raupen, die mit kochendem Wasser übergossen werden
  • Angora stammt überwiegend von in China gehaltenen Kaninchen, die auch unter grausamsten Bedingungen gehalten werden und denen die Haare lebend bei vollem Bewusstsein herausgerissen werden
  • Daunen
  • Wolle für unsere Bekleidung stammt zum größten Teil aus China, Neuseeland und Australien. Besonders beliebt ist Merinowolle. Merinos wurden extra für die Wollindustrie gezüchtet und die Haut ist faltiger, so dass man mehr Wolle gewinnen kann. Ihr Fell ist unnatürlich dick, so dass an sehr heißen Tagen die Schafe an einem Hitzschlag sterben. In den Hautfalten sammeln sich Kot- und Urinreste, was dazu führt, dass sich Fliegenlarven in den Körperöffnungen und unter der Haut ansammeln (Folge: Entzündungen, Schmerzen und gelegentlich Versterben). Um das zu verhindern, werden den Lämmern in der Regel ohne Betäubung große Fleischfetzen im Bereich der Schenkel und des Schwanzes herausgeschnitten, damit glattes vernarbtes Gewebe entsteht, das das Tier vor Larvenbefall schützen soll. Diese Methode nennt man Mulesing. Sie ist in Deutschland verboten, aber in den Neuseeland und Australien und China nicht. Auch im Übrigen verstößt die Tierhaltung gegen den Tierschutz. Zudem hat die Massenproduktion folgen für die Umwelt durch das Methan, die Fäkalien, die Bodenerosion und die Chemikalien für die Parasitenbehandlung

Was kannst du tun?

  • Reduziere deinen Konsum: Das beste Kleidungsstück ist das, das du nicht kaufst
  • Repariere deine Klamotten und Schuhe
  • Verändere Kleidung so, dass du sie wieder trägst
  • Kaufe gebrauchte Kleidung, Schuhe und Accessoires
  • Tausche Klamotten
  • Verschenke Klamotten
  • Entsorge deine Klamotten sinnvoll
  • Wenn du neue Sachen kaufst, kaufe nur ökologisch und fair Hergestelltes: Diese Siegel helfen dir dabei: GOTS (Global organic textile Standard), kbA und kbT, Blauer Engel, Bluedesign, IVN Best, Naturland Fair, Ökotex, Fairtrade
  • Kaufe dir nur Klamotten, die du wirklich tragen wirst.
  • Kaufe Kleidung aus recyceltem Material
  • Kaufe Kleidung aus Materialen, wie Bio-Baumwolle, Modal, Tencel, Hanf und vermeide Kunstfasern sowie Mischfasern
  • Der Preis und die Marke der Kleidung sagen nichts über Umweltfreundlichkeit und Fairness der Herstellung aus
  • Vermeide Jeans im Used-Look, da dieser fast immer durch Sandstrahlung erzeugt wird, die für die Arbeiter sehr gesundheitsschädlich ist
  • Kaufe keine Klamotten und Schuhe tierischen Ursprungs, da dieses in der Regel mit Tierquälerei verbunden ist (Anmerkung: es gibt keinen fairen Pelz und keine Zertifikate hierfür)
  • Wenn du Wolle kaufst, nur solche mit kbT-Zertifizierung oder GOTS-Siegel
  • Sei bereit, für Qualität und ökologisch und fair hergestellte Kleidung den angemessenen Preis zu bezahlen, denn sonst zahlen andere den Preis für deinen Konsum!

Weitere Ideen, die dein Konsumverhalten verändern können:

Mache eine Kleiderschrankinventur und zähle deine ganzen Klamotten und Schuhe. Allein das Bewusstmachen der wahrscheinlich großen Menge an vorhandenen Klamotten, kann sich auf deine nächsten Kaufentscheidungen auswirken.

Kaufe nicht sofort, sondern schlafe mindestens noch eine Nacht über den Kaufwunsch. Oft erledigt sich der Wunsch, weil er in Wirklichkeit ein anderes Bedürfnis befrieden sollte, das am nächsten Tag nicht mehr vorhanden ist.

Kaufe keine Kleidung, nur, weil sie reduziert ist. Wenn du dich dabei ertappst, wie du denkst „Das ist so günstig, das nehme ich einfach mal mit“, lass‘ das Teil im Laden.

Stecke für jedes gekauftes Teil einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises in eine Spardose und spende den Betrag am Ende des Jahres zur Kompensation an eine Umweltorganisation. So hast du auch gleich einen ganz guten Überblick über deinen Konsum und konsumierst viel bewusster.

Faire Label findest du jede Menge bei Utopia.de, avocadostore.de, greenality.de, glore.de und in „Fair einkaufen, aber wie?“ auf Seite 317

Läden in Hamburg, die faire Mode anbieten, findest im Buch „Einfach anziehend“ von Kirsten Brodde oder auf unserer Website.

Eine Liste von Secondhand-Läden findet ihr unter greenpeace-hamburg.de unter „Themen“ und dort unter „Alltag und Konsum“